~ burgi-online.ch ~   

Marokko

28.09.-20.10.2018

Teil 2

 

Freitag, 05.10.2018
Nach dem Frühstück reisten wir weiter in Richtung Süden. In Khenifra tankten wir auf und stockten unsere Trinkwasservorräte auf. Bald schon bogen wir anschliessend auf eine Nebenstrasse ab, die erst gut asphaltiert war und später aufgrund von Bauarbeiten kilometerlang eine reine Schotterpiste war. Während bei uns Bauarbeiten abgesperrt sind, kam uns später mitten im Dorf Aawir de Sidi Yahya Ousaad in tiefem Schotter ein Gräder entgegen. Wir folgten dann weiter der Strasse P3214 bis zur Abzweigung nach Ilmichil. Die anschliessend R317 war auf langen Strecken eine gute Strasse mit wenig Verkehr. Später gab es immer mehr Bauarbeiten, insbesondere wurden viele Brücken gebaut, die teilweise mit recht abenteuerlichen Umfahren versehen waren. Die Strasse stieg seit langem immer an, zuletzt dann ziemlich massiv und wir fuhren in Serpentinen den Steilhang hinauf, meist im ersten Gang. Für unsere Vorstellungen war die Strecke recht abenteuerlich; Abschrankungen zum Tal gibt es keine, auch Verbauungen für Steinschlag oder so sind inexistent. Wir kamen aber heil oben an, auch wenn das Wetter zunehmend düsterer wurde. Bald erreichten wir den Lac Tislit auf ca. 2'100 Meter über Meer. Hier fanden wir bei der Auberge du Tislit einen Platz direkt am See. Wir wurden von der Besitzerin aufgrund des kühlen und windigen Wetters zu einem warmen Tee eingeladen. Zur selben Zeit erreichte eine Motorradgruppe aus der Schweiz ebenfalls die Auberge. Einer der Motorradfahrer hat gar einmal im selben Ort gewohnt wie wir. Alle Motorradfahrer hatten für max. CHF 1'000 in der Schweiz ein Motorrad gekauft, welches sie nach ihrer Tour in Banjul in Gambia für einen guten Zweck weiterverkaufen. Eine Maschine hatte heute den Geist aufgegeben und musste im Begleitfahrzeug verladen werden. Nach einer längeren Reparaturaktion brachten sie den Töff mit vereinten Kräften wieder zum Laufen. Unsere Kinder waren derweil beschäftigt Steine in den See zu werfen. Zum Nachtessen erhielten wir in der Auberge eine feine Tajine aux poulet.


Hügellandschaft unterwegs


kurze Pause am Strassenrand


kurz vor dem Tagesziel - enge Strasse in der Felswand


Lac Tislit mit Gewitterregen


bei der Auberge Tislite


feine Tajine in der Auberge

 

Samstag, 06.10.2018
Bei den kühlen Temperaturen hatten wir sehr gut geschlafen. Für die Kinder war heute wieder einmal ein Frühstück auf der Motorhaube angesagt. Sie sitzen gerne da und wir hatten uns Omletten von der Auberge-Wirtin machen lassen. Die Motorradfahrer waren schon bald wieder weg und auch wir machten uns auf den Weg, da wir heute den hohen Atlas noch überqueren wollten. Erst fuhren wir durch Ilmichil, das aufgrund des samstäglichen Souk ziemlich lebhaft war. Da kamen viele Bauern aus total abgelegenen Tälern mit dem Esel zum Markt. Das Wetter war immer noch trüb, windig und zuweilen auch etwas feucht. Durch die Gewitter des Vortages gelangte viel Kies und Schotter auf die Strasse. Durch die intensive Beweidung durch Schafe und Ziegen verschwinden auch noch die letzten Pflänzchen in den kargen Berghängen und lassen der Erosion freien Lauf. Eine Zeit lang hatten wir einen Lastwagen mit sehr viel Stroh vor uns, der fast im Schritttempo bergauf kroch. Die eigentlich asphaltierte Strasse war vielfach ziemlich übel und zwang zum langsamen Fahren. Hier wachsen bis über 2'000 Meter hinauf Äpfel und scheinen hier ein wichtiges Landwirtschaftserzeugnis zu sein. Schliesslich erreichten wir auf 2'709 Meter Höhe den Col du Tirherhouzine.


Zmorge vor der Auberge


feine Mischung aus Fladenbrot und Omlette


Landschaft unterwegs


Schwertransport


winkende Kinder unterwegs


Ortsdurchfahrt


Gegenverkehr...

Ab der Passhöhe besserte sich das Wetter und die Sonne schien zwischendurch. Einige Kilometer nach Ikadmane wurde die Brücke durch die Gewitter weggeschwemmt und ein Radlader war gerade fertig mit dem Erstellen einer Umfahrung durch das Bachbett. Ab hier war vielfach auch Schlamm auf der Strasse und wir durchfuhren etliche Stellen, wo noch Bäche über die Strasse führten. Schon bald hatten wir die imposante Todra-Schlucht erreicht, wo wir die engste Stelle zu Fuss erkundeten. Etwas später fuhren wir zum Camping Atlas, wo wir bereits auf unserer ersten Marokko-Reise genächtigt hatten. Beim Eingang trafen wir ein Schweizer Paar, das die gleiche Strecke heute mit dem Velo gemeistert hatte. Nach der Ankunft merkten wir, dass unser Toilettentank auf der mitunter sehr holprigen Strasse nicht ganz dicht war und dies eine Putzaktion erforderte. Wir nutzten auch die Waschmaschine des Campings um unsere Kleider auf Vordermann zu bringen. Auch unser Defender war leicht marmoriert nach den Durchfahrten durch den Schlamm. Im Gegensatz zu den Fahrzeugen zweier jungen Deutschen, bei deren Defender die Originalfarbe nicht mehr ersichtlich war, hielt sich die Verschmutzung aber in Grenzen. Leider war es immer noch etwas bewölkt und die roten Felsen hinter den zahlreichen Palmen kamen ohne Sonnenschein leider nicht so schön zur Geltung.


bei der Passhöhe auf 2700 Meter über Meer (gleiche Höhe wie das Panoramarestaurant auf dem Bettmerhorn im Wallis)


erste Ortschaft südlich des hohen Atlas


Aufgrund einer weggeschwemmten Brücke kurzfristig organisierte Flussbettdurchfahrt


Einfahrt zur Todra-Schlucht


engste Stelle in der Todra-Schlucht

 

Sonntag, 07.10.2018
Heute morgen leuchteten die roten Felsen in der aufgehenden Sonne umso schöner. Zusammen mit den Dattelpalmen gab es sehr fotogene Aussichten. Im Laufe des Morgens fuhren wir weiter, machten aber gleich einen Fotohalt bei den alten Lehmsiedlungen bei Tinghir. Wir fuhren heute nur eine kurze Strecke zum Camping Amastou in Tazzarine, der schön in der Palmerai liegt. Bei unserer Ankunft waren wir die einzigen Gäste. Die Temperaturen hatten gegenüber den Vortagen ziemlich zugelegt. Nach einer Siesta waren die Kinder nicht mehr zu halten und testeten das Kinderschwimmbecken auf Herz und Nieren. Den Abend liessen wir bei einem einfachen aber feinen Znacht unter Palmen und einem riesigen Sternenhimmel ausklingen.


schöner Kontrast - Morgensonne an den roten Felsen, blauer Himmel und Palmen


Waschtag


Blick auf die alten Lehmsiedlungen bei Tinghir


Relaxen im Schatten


Camping in Tazzarine - etwas grüner als beim letzten Mal


das Nass erfreut die Kinder


Montag, 08.10.2018
Auch heute fuhren wir nur eine kurze Strecke bis Zagora. Unterwegs entdeckten wir mehrere Dutzend Dromedare. Die Strasse führte hier schon durch als Wüste zu bezeichnende Gebiete. Gleich beim Ortseingang von Zagora erreichten wir den Camping Oasis Palmier, wo uns ein schöner Platz ebenfalls unter Palmen zugewiesen wurde. Direkt nach unserer Ankunft wurde ein grosser Teppich vor unserem Camper ausgerollt, ein Tischchen mit Hockern und eine Kanne heissen Tee gebracht. Der Campingplatzchef hiess uns herzlich willkommen. Wir richteten uns ein und montierten erstmals das neue Sonnendach. Später fragten wir nach Möglichkeiten zum Dromedar-Reiten. Gegen Abend führte uns der Campingplatzbesitzer in seinem alten Renault R4 ins Städtchen, wo wir für alle Tücher für einen Berber-Turban kauften. Obwohl wir gut handelten und zweimal aus dem Geschäft liefen und die Verkäufer die Hände verwarfen, erzielten sie wohl immer noch einen guten Preis. Anschliessend musste der R4 wieder auf die Strasse gestossen werden (der Rückwärtsgang funktioniert nicht mehr) und wir fuhren zurück zum Campingplatz. Nach dem Nachtessen erzählte uns eine Schweizerin noch von ihrer einwöchigen Wüstentour, die sie zu Fuss und mit Dromedaren unternahm.


auf dem Weg zum Brot kaufen - Bewässerungskanal in der Palmeraie


schönes Privatanliegen


Fahrt durch die Wüste


Begegnungen unterwegs


Empfang mit Teppich, Tischchen, Hocker & ...


Tee!


unser Taxi


Marokkanerin?



Dienstag, 09.10.2018
Wir standen etwas früher auf, so dass wir rechtzeitig zu den Tinfou-Dünen, ca. 20 Kilometer ausserhalb Zagoras kamen. Es ist nur ein kleines Dünenfeld aber der Campingplatzbesitzer hat uns einen Chamelier (Kamelführer) mit drei Dromedaren organisiert. Wir ritten erst zum Dünenfeld und dann durch die Dünen. Die höchste Düne erreichten wir schliesslich zu Fuss. Später wurden wir noch zu einem Tee in einem Berberzelt eingeladen. Glücklicherweise waren wir ganz alleine da, so dass trotzdem etwas Wüstenfeeling aufkam. Für die Kinder war es aber ein grosses Erlebnis. Später kehrten wir wieder zum Campingplatz zurück, wo wir uns als erstes verpflegten. Den Nachmittag genossen wir einfach vor dem Camper. Leider waren inzwischen Wolken aufgezogen und es sah nach einem Gewitter aus. Wir entschieden uns für ein Nachtessen im Berberzelt des Campingplatzes. Unsere Platznachbarn liessen sich das Essen an den Platz bringen, waren aber nach den ersten Regentropfen rasch auch im Berberzelt. In der Folge ging ein starkes Gewitter mit ziemlich viel Regen über uns hinweg - und dies in der Wüste...;-).


Dunes de Tinfou


Familienausflug


Elias erklimmt die Düne


auch das macht Spass


zurück im Schatten

 

Mittwoch, 10.10.2018
Heute fuhren wir entlang des Draa-Tals bis nach Agdz. Unterwegs fuhren wir an einem Übernachtungsort vorbei, wo wir bereits 2007 waren und erreichten in Agdz den Camping Kasbah Palmeraie, wo wir zuletzt 2015 waren. Es war nicht ganz so heiss wie beim letzten Mal und der Platz auch nicht mehr ganz so gut in Schuss. Lange waren wir die einzigen auf dem Platz und genossen einen ruhigen Nachmittag. Da wir die Kasbah schon beim letzten Mal besichtigt hatten, verzichteten wir diesmal darauf. Von aussen gab es aber ein paar sehr schöne Bilder. Dafür konnten wir zwei Männer beobachten, die Datteln pflückten. Ungesichter klettert jeweils einer auf die Palme und schneidet die Büschel mit den Datteln vom Stamm ab. Diese lässt er anschliessend vorsichtig mit einem Seil hinunter auf den Boden, der vorher sorgfältig mit Planen abgedeckt wurde. Gegen Abend erhielten wir noch Besuch von einem Mädchen (Ilhan) und ihrem Bruder (Adnan), die hier wohnen. Sie haben die Kinder gesehen und wollten ihnen einfach Hallo sagen.


das Draa-Tal


Strassenszenen in Agdz


Geschichtenzeit


viele fast reife Datteln


im Palmengarten


Kasbah in Agdz


geerntete Datteln

 

Donnerstag, 11.10.2018
Als erstes stand heute ein Besuch des Donnerstags-Souks von Agdz auf dem Programm. Wir erlebten hier einen ganz urtümlichen Souk mit allerlei Waren (Gemüse, Früchte, Kleider, Schuhe, Lebensmittel, Möbel, Fenster, Fleisch, Eisenwaren, Werkzeug, Haushaltsartikel, Schafen, Ziegen, Kühe, Hühner, etc.). Das Gewusel und die improvisierten Stände waren absolut sehenswert. Es wurde gehandelt, Waren lautstark angepriesen und geplaudert. Da standen ganze LKW voll mit Zwiebeln oder Pick-ups voller Melonen. Schafe und Ziegen werden auf Pickups, auf Motorrädern, in Autos, auf Eselkarren oder auf dem Dach von Bussen transportiert. Wir waren fast die einzigen Touristen auf dem Markt und konnten trotzdem unbehelligt überall hin. Nicht zuletzt ergänzten wir hier unseren Gemüse- und Früchtevorrat. Der Besuch dieses Marktes ist eines der ganz grossen Reisehighlights dieser Reise.


auf dem Souk in Agdz


Viehmarkt

Später fuhren wir über die Berge nach Ourzazate, wo wir unsere Vorräte (ausser natürlich Früchte und Gemüse) ergänzten. Anschliessend hiess unser heutiges Ziel Aït Ben Haddou, ein Ksar, der unter Unesco-Weltkulturerbe steht. Angesichts der Busladungen voller Touristen, suchten wir erst einen Übernachtungsplatz bei der Auberge Kasbah du Jardin, verpflegten uns und suchten den Swimmingpool auf. Später gingen wir zu Fuss zur bekannten Lehmsiedlung, die mit dutzenden Souvenirgeschäften nicht mehr authentisch ist. Dafür werden die Gebäude laufend wieder instand gestellt. Die Besuchszeiten der vielen Cars waren glücklicherweise abgelaufen und die Anzahl Besucher wurde recht überschaubar. Zurück beim Camper liessen wir uns zur Abwechslung Pizzas backen, die wir dann vor dem Bus bei wolkenlosem Wetter und einem Glas Wein genossen.


Blick zurück ins Draa-Tal


Abkühlung


Aït Ben Haddou


traditionelle Bauweise


Blick zum Hohen Atlas


1001 Nacht...?

 

Teil 3

www.burgi-online.ch